Samstag, 25. Februar 2017

KRAPFEN


Hier ist der Fasching recht spurlos.
Keine Pappnasen und krampflustige Verkleidungshäschen.
Nur am Faschingsdienstag gibt es beim Einkaufen geschenkte Krapfen
und vielleicht einen Schnaps.
Aber seit die Supermärkte Einzug gehalten haben,
wird auch der Brauch immer weniger.
Für mich gehören ja alle Volksfeiereien zum Entbehrlichen.
Einmal war ich in Düsseldorf
und es war nur schrecklich.
Männer, die überall hinpinkelten,
der unendliche Dreck -
der Erfolg der Karnevalstage wird in beseitigten Müllmengen gemessen,
alle besoffen -
Arbeitssklaven, die einmal im Jahr freigelassen werden.
Glücklicherweise gibt es Krapfen immer.



Freitag, 24. Februar 2017

NIX


Eigentlich weiß ich gar nix zu schreiben.
Diese Winterendtage, die trüben, regnerischen,
sind optisch die hässlichste Zeit im Jahr.
Bei mir liegt noch Schnee.
Ist auch nicht schöner.
Ich warte, dass mir endlich einmal jemand erklären kann,
wieso Menschen immer älter werden wollen.
Medien erzählen, dass die Lebenserwartung wieder gestiegen sei.
Und 120 Jahre sind durchaus bald möglich.
Das bedeutend dann, dass der überwiegende Teil des Lebens
alt, krank und gebrechlich verbracht werden kann.
Wahrscheinlich ist es wie Wirtschaftswachstum.
Oder Sportrekorde.
Hauptsache immer weiter, schneller, höher, mehr.
Die Folgen sind Nebensache.
Über Ärzte und Schulmedizin schreibe ich auch nochmals.
Aber nicht heute.





Donnerstag, 23. Februar 2017

RUSSISCH


Beim Aufräumen habe ich diese russischen Lackbilder
gefunden.
Hat einmal ein russischer Freund nach einem (russischen) Passfoto
von mir und meinem damaligen Lebensabschnittpartner gemalt.
Und in russische Tracht hat er uns auch gleich gesteckt.
.
Irgendwie ist das Ausmisten witzig.
Ich glaube, ich kann euch noch eine Menge Absonderlichkeiten
aus dem Leben einer Person zeigen,
zu der ich den Kontakt weitgehend verloren habe.
Kein Wunder, wenn ich gemalt aussehe, wie eine gelbgesichtige mongolische Jurtenbewohnerin.


Mittwoch, 22. Februar 2017

UNVERWECHSELBAR


Von einer Studie habe ich gelesen.
Man hat 14jährige im Jahr 1950 untersucht
und nun festgestellt, dass sich ihr Wesen  von damals zu heute grundlegend verändert hat.
Alle 7 Jahre werden die Zellen erneuert.
Das macht in 50 Jahren 7 Totalaustäusche.
Jedes Erlebnis, jeder Erfolg, jede Niederlage stößt dich in eine andere Richtung.
Mit der Person, die ich einmal war,
habe ich keinerlei Kontakt.
Ich erinnere mich, was sie getan und erlebt hat,
aber vom Gefühl her,
ist mir das Ich von vor 50 Jahren völlig fremd.
Ob man uns auch vertauschen könnte?


Dienstag, 21. Februar 2017

DIE MAUS; DIE WILDE


Wenn mich jemand fragen sollte -
den Film finde ich nicht besonders.
Nette Bilder:
sich nackt im Schnee sitzend umbringen
oder die Klettereien auf der Hochschaubahn.
Und witzige Dialoge,
aber für mich der ganze Streifen dann eher doch nicht,
obwohl ich den Josef Hader in seiner Tieftraurigkeit mag.



Montag, 20. Februar 2017

SOCKEN; SOCKEN; SOCKEN


Langsam fange ich mit dem Ausmisten an -
das wird mich ohnedies Monate beschäftigen
und ich habe einen ganzen Berg Socken, Strümpfe, Strumpfhosen weggeworfen.
Ziehe ich alles nimmer an.
Unterwäsche, bis auf Slips, brauche ich sowieso nicht.
Was ich mir lebenslang an Geld erspart habe!
Von einigen (ungetragenen) BH's und Bodys wollte ich mich nicht trennen.
Vielleicht mit 80 im lachsfarbenen?
Mein Vater hatte nach dem Tod meiner Mutter eine gleichaltrige Freundin,
die lief, wenn sie auf Besuch bei ihm war, in spitzenbesetzter Unterwäsche 
durchs Haus und ihre Nägel waren immer sorgfältig blassrosa lackiert.
Sehr gepflegt die alte Dame.
Meine Freundin wurde sie trotzdem nicht,
ihr freundliches Getue war auch irgendwie zuckerlrosa kitschig.
Aber meinem Vater hat sie gut getan.
 Merke: faltig und hübsch verpackt ist besser als alt und ungepflegt.



Sonntag, 19. Februar 2017

DAS UND DAS


Auch wenn es draußen schneit -
die Frühlingsblüher am Fensterbrett dürfen nicht fehlen.
Bunte Primeln - meine Lieblinge.
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Ich bin schon wieder Meisterin im Verschieben.
Nehme mir für den näxten Tag etwas vor
und dann schlage ich die Augen auf
und finde,
das Geplante kann warten
und bummle durch den Daheimtag.
Noch darf ich ja.
Bin im Äußersteschonungsmodus.
----
Jetzt kann es wieder ab und an ein Glas Wein sein.
Nachdem ich gesehen habe, wie schnell das Leben vorbei sein kann.
Dann bereut man alles,
was man gerne gehabt hätte
und was man sich versagt hat.
Also, viel weniger Don'ts.
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Wie die Zeit vergeht,
bemerke ich, wenn ich den Tiefkühler ausmiste.
Viel altes Brot gefunden -
die Hirsche werden sich freuen.
Wenn man dann am Plastiksack herumspringt,
um die Stücke zu zerkleinern,
kriegt das Plastik Löcher
und man hat einen Küchenbröselboden.
Eine Arbeit bedingt immer in die nächste.

Samstag, 18. Februar 2017

ALLES EINS



Seit ich zur Katze Göttin sage,
versuche ich den Radius zu erweitern
und sage es zu Bäumen,
dem Wind und zu Steinen.
Und das warme Gefühl der Verbundenheit schlägt zurück.
Alles eins.
Mit Menschen warte ich noch ein wenig,
muss erst üben.
Wer weiß, was geschieht,
wenn ich Leute plötzlich zu sehr mag.
Man  muss ja nix übertreiben.


Freitag, 17. Februar 2017

KEINE IST EINE INSEL


Um Hilfe zu bitten, das fällt mir sehr schwer,
Ich kann alles,
ich weiß alles (besser),
ich bin autark.
Ich brauche nix.
Jetzt gab es Dinge, um die ich bitten mußte/wollte.
Mit dem Auto führen
oder die paar Tage bei Freunden unterschlüpfen.
War gut,
ich hätte es wahrscheinlich auch ohne die Fürsorge geschafft,
aber das Gefühl des Umsorgtwerdens wollte ich für meine
Seelenhygiene haben.
Mich nicht lebensalleingelassen fühlen.
Das Sicherheitsnetz hat gut funktioniert und  ich bin froh, dass ich es rechtzeitig geknüpft habe.
Meine Mitmenschen sind ja viel netter, als ich es verdiene.


Donnerstag, 16. Februar 2017

GARNIXMÜSSEN


Den Luxus von Garnixzumüssen kann ich mir jetzt leisten.
Kann im Bett liegen wann immer und solange ich will.
Der Wundermasseur behandelt mit heilenden Händen,
ich mache eine Vitamin C-Infusionskur.
Und ab jetzt rede ich nimmer von Krebs.
Ist Geschichte.
Krebs ist keine normale Krankheit.
Krebs hat eine eigene Dynamik.
Voller Energie.
Puscht vorwärts.
Etwas wächst, das schneller sein möchte, als der Rest vom Körper.
Also werde ich demnächst auch Gas geben müssen.
Aber bis dahin kann ich voll auf der Bremse stehen.


Mittwoch, 15. Februar 2017

GÖTTIN


Seit ich zu dir sage:
"Du bist eine Göttin",
verstehe ich dich viel besser.





Dienstag, 14. Februar 2017

UHLAND



Eine ganz liebe Blogleserin hat mir Uhlands Gedichte geschickt.
Zwei Kilo wiegt der Prachtband.
Eine bewegte Familiengeschichte hat das Buch in den 160 Jahren seit seinem Erscheinen zurückgelegt.
In den Gedichten geht es viel um Blut, Tod, Kampf.
Aber die folgenden Worte kennt jeder:

EINKEHR
Bei einem Wirthe wundermild
Da war ich jüngst zu Gaste;
Ein goldner Apfel war sein Schild
An einem langen Aste.

Es war der gute Apfelbaum,
Bei dem ich eingekehret;
Mit süßer Kost und süßem Schaum
Hat er mich wohl genähret.

Es kamen in sein grünes Haus
Viel leichtbeschwingte Gäste;
Sie sprangen frei und hielten Schmaus
Und sangen auf das Beste.

Ich fand ein Bett zu süßer Ruh
Auf weichen grünen Matten;
Der Wirth er deckte selbst  mich zu
Mit seinem kühlen Schatten.

Nun fragt' ich nach der Schuldigkeit,
Da schüttelt' er den Wipfel;
Gesegnet sei er alle Zeit
Von der Wurzel bis zum Gipfel!
----
Danke liebe Madelon.




Montag, 13. Februar 2017

GRILLEN


"....Denk nur, ein Volk, das seine Zeit damit verbringt - Mao hätte gesagt vergeudet, und nicht ganz zu Unrecht -, zu jeder Jahreszeit Grillen zu züchten, um auch im Winter, wenn es draußen schneit, der Stimme des Frühlings lauschen zu können! Die Grillen haben es dann warm, denn man trägt sie in der Innentasche der Jacke mit sich herum, in einem winzigen ausgehöhlten Kürbis mit einem wunderschönen Deckel aus geschnitztem Elfenbein oder manchmal sogar aus Jade. Und wenn du in der Kälte der Nacht ein Gedicht schreibst und in deinem kleinen si he yuan, deinem Haus mit Innenhof, Tee trinkst, hörst du das Krikrii, Krikrii der Grille. Auch das war ein Zeitvertreib der Mandschu gewesen.
Ich hatte immer eine in der Tasche und hielt zu Hause die verschiedensten Grillensorten, sogar einen jing-irgendwas, die kleinste Grille, die es gibt. Sie ist kaum zu sehen, aber sie kann herrlich zirpen. Sie war so klein, dass ich sie nicht einmal in einen solchen Kürbiskäfig setzen konnte, sonst wäre sie mir abhanden gekommen. Ich hatte sie in einer winzigen Elfenbeindose untergebracht. Manchmal musste man sie füttern, und dann wurde der Deckel wieder zugeschraubt....."
Tiziano Terzani. Das Ende ist mein Anfang.

Für Tierschützer ein schlimmer Gedanke diese gefangenen Grillen.
Chinesen essen bekanntlich alles, was vier Beine hat, außer Tischen und Stühlen.
Trotzdem hat die Beschäftigung mit den Zirpinsekten Poesie.
In wenigen Jahrzehnten wurde eine jahrtausendealte Hochkultur fast völlig vernichtet.
Zuerst kam Mao und die heutige Hinwendung zum Kapitalismus macht es auch nicht besser.

 

Sonntag, 12. Februar 2017

VOM WINTER


Die Bilder will wohl keiner mehr sehen,
doch bei mir dauert der Winter noch lange.
Obwohl es kalt war,
waren die dunklen Monate angenehm,
Schnee, alles auf einmal,
wenig wirklich schlechtes Wetter,
immer wieder Sonne.
Da kann es hier ganz anders sein.
Schneestürme, unwegsame.
Noch ist nicht alles vorbei,
im Waldviertel schneit es schon auch mal im Mai .


Samstag, 11. Februar 2017

GANZ WENIG


Des Nachts muss ich ins Freie gehen
und den Vollmond bestaunen,
der Linien und Schatten in den Schnee zeichnet.
Tagsüber heile ich,
schlafe viel,
mag gerade gar nicht aus dem Haus,
schaue im wiedererstandenen Fernseher Schirennen,
und bin zufrieden.
Ganz wenig ist auch viel.



Freitag, 10. Februar 2017

FREIKAUFEN


."....Auf dem Gehweg fiel mir ein Mann auf, der neben zwei Bambuskäfigen mit Spatzen darin hockte. Er verkaufte sie an Kunden, die die Vögel dann freiließen, um sich auf diese Weise Verdienste für ihr Karma zu erwerben. Ich kaufte ihm alle ab und ließ sie davonflattern, während ich ihr Gezwitscher und die Kommentare der Leute genoss, die mich umstanden....."
Tiziano Terzani. Noch eine Runde auf dem Karussell.

Welch schöner Gedanke.
Karmaverbesserung durch Tierfreiheit.





Donnerstag, 9. Februar 2017

ALLES GUT


Meine Krankheitsgeschichte hat mir einen Energieschub gegeben.
Ich sehe auch ziemlich vergnügt aus.
Natürlich mache ich zu viel,
Autofahren geht schon,
und beim Heben vergesse ich immer,
dass die OP erst 2 Wochen her ist.
Äußerste Schonung steht in den Entlassungspapieren.
Mit der Krebsrausschneiderei das funktioniert nicht so zuverlässlich,
weil es der Körper nicht begreift.
Der meint immer noch,
dass alles an seinem Platz ist.
Deswegen kommt Krebs gerne immer wieder.
Ich versuche es den Zellen zu erklären,
meditiere in den Bauch hinein,
dabei verstehe ich es ja selber nicht.
So schnell ist alles gegangen.
Das Problem das ich habe ist:
ich habe noch kein Motiv gefunden,
warum ich viel älter werden soll.
Hm.



Mittwoch, 8. Februar 2017

TRÄUME



Ziemlich wilde Träume begleiten mich durch die Nacht.
Längst verstorbene Freunde tauchen darin auf,
ich bin ständig und viel unterwegs.
Recht anstrengend sind diese Schlafstunden.
Und die Katze tut ein Übriges dazu.
Sie meint, sie müsse auf mir herumsteigen und mir ins Ohr schnurren.
Dieses Tier ist komisch.
Tagsüber verschwindet sie in einem stillen Winkel und schläft sich aus,
nächtens muss sie mir nahe sein
und um Beachtung ringen.
Und trotz all des Schnees fangen Vögel bereits ihre Frühlingslieder an.




Dienstag, 7. Februar 2017

ORANGE


In meinen Scheunen gammeln noch einige dieser Sessel herum.
Prunkstücke meiner ersten Wiener Wohnung.
Orange war damals total angesagt.
Sogar ein Zimmer wurde mit einem graphischen Blütenmuster in der Grellfarbe tapeziert.
Die Wohnung war schön.
Groß mit Erker, Flügeltüren und Sternparkett.
Der Mann dazu war weniger.
Mehr die Notlösung für die Flucht aus dem Elternhaus.
Und die Farbe Orange kann ich seitdem nimmer sehen.


Montag, 6. Februar 2017

HEILEN

Stille Tage.
Ich heile vor mich hin.
Ist nicht nur angenehm.
Inzwischen bin ich wieder daheim.
Alles fließt.

 

Sonntag, 5. Februar 2017

FRÜHER EINMAL


Geschichten werden mir erzählt.
Wie das Leben früher hier war.
Wie bitter arm die Leute waren.
Viele Kinder, oft kaum etwas zu essen,
ein Leben voller Entbehrungen und Not.
Innerhalb einiger Jahrzehnte hat sich das komplett verändert.
Heute kann man von einem bescheidenen Wohlstand sprechen.
Aber Zufriedenheit und Glück werden von mehr Besitz kaum beeinflusst.


Samstag, 4. Februar 2017

WARTEN


Die Katze wartet aufs Mittagessen.
Ich warte aufs Heilwerden.
Mache entschieden zu viel,
klettere auf den Dachboden.
Mein Fernseher will nicht
und nachdem ich das nicht hingekriegt habe,
bleibt er eben kalt.
Auch egal.
Gibt Spannenderes als Fernschauen.
Ich nehme nimmer an dem ganzen Weltwahnsinn teil,
an der Trumpmania - obwohl ich darüber sehr amüsiert bin -
so ein Durchgeknallter hat der Menschheit noch gefehlt.
Muss immer lachen, wenn ich Fotos von ihm sehe.
Mein Vorsatz - mehr Schonung für mich.


Freitag, 3. Februar 2017

KLAR IST .....

.... der Totalabsturz ist danach  gekommen.
Ich bin für einige Tage zu Freunden gezogen,
damit ich nicht allein daheim sein muss
und jemanden habe, der mich ein bißchen versorgt.
Außerdem ist mein Haus kalt,
bis sich die Wände durchwärmen dauert es einige Tage.
Es waren wochenlang starke Fröste.
Jedenfalls bin ich ins tiefe Loch gefallen,
all das Zusammenreißen und das durch die Zwänge durchboxen,
immer über die eigenen Gefühle und Bedürfnisse drüberfahren,
das hinterlässt Spuren.
All die Schmerzen, Vergewaltigungen und Nötigungen
müssen verarbeitet werden.
Und gerade mag ich auch nimmer hart zu mir sein,
ich wünsche mir ein etwas entspannteres Wegstück.
Die Luft ist raus.
Aber die Katze freut sich.




Donnerstag, 2. Februar 2017

ACHTUNG!



Ich muss wirklich, wirklich auf meine Gedanken aufpassen.
In letzter Zeit erlebe ich mit den Erfüllungen böse Überraschungen.
Der Rettungshubschrauber landete vor den Fenstern
und meine Gedanken:
"Ich will auch."
Ein Freund, der in den Bergen abstürzte, hat mir einmal erzählt, dass er  am langen Seil ins Tal geflogen wurde.
Stelle ich mir ja spektakulär vor.
Na, das Drumherum mit  Schmerztempel brauche  ich nicht.
Aber so durch die Lüfte befördert zu werden, das hat etwas.
Ich höre schon auf mit meinen Gedankenspinnereien
und wünsche mir nur mehr Vanillekipferln zu Weihnachten.



Mittwoch, 1. Februar 2017

INS FREIE


Was man erlebt, das kann man sich ja oft nicht aussuchen.
Jedenfalls wurde ich wegen guter Führung entlassen.
Mit den Leidensgenossinnen im Zimmer war es ok.
Niemand dabei für eine lebenslange Freundschaft
und niemand der mich wirklich genervt  hat.
Waldviertelmenscheneinblicke.
Oft amüsant.
Glück was ich habe,
war auch eine Frau aus meinem Dorf dabei.
Eh nett, aber jetzt wird halt alles genau besprochen.
Wie lange,
wie gefährlich,
jeder kennt jemanden, der auch ...
weitergelebt hat,
gestorben ist,
so und so viele Tage im Spital war ....
Weil eigentlich wird über nix lieber als über Krankheiten gesprochen.
Am besten über die von den anderen.
Ganz wurscht ist mir das nicht
Auch auf die prüfenden Blicke, ob ich schon von Todesengel's  Schwingen gestreift und  Falten des Vergehens in mein Gesicht gemeißelt wurden,
freue ich mich.
Aber wie gesagt, man kann sich nicht immer aussuchen, was man erlebt.


Dienstag, 31. Januar 2017

ICH WUSSTE ES NICHT

Wenn man sich selbst kennenlernen will,
kann man sich auch ins Krankenhaus legen.
Selbsterfahrung der besonderen Art.
Ich kriege eine Menge Lob über Blitzheilung, Aktivität, Schmerzlosigkeit, etc.
Was mich an mir so berührt, ist:
ich bin knochenhart. Zielorientiert.
Dafür nehme ich mich selbst in den Arm und bin stolz auf mich.
Anscheinend, wenn man so lebt; wie ich lebe,
seit ewig allein in einem Haus, den Naturgewalten ausgesetzt,
die langen strengen Winter voller Dunkelheit durchlebt,
dann ist so ein bisserl Bauchaufschneiden ein Klacks.
Ich wusste wirklich nicht,
wie lebensabgehärtet ich bin.
Und das beschert mir eine ganze Reihe Glücksmomente im Krankenhausbett.
Ich finde mich richtig klasse.



Montag, 30. Januar 2017

BESUCHSSITZENBLEIBER


Bei  den Besuchern von Zimmergenossinnen kann ich
eine Waldviertler Eigenheit beobachten.
Die Gäste bleiben sitzen und sitzen.
Nix mehr zum Reden haben, aber auch nicht aufstehen.
Macht mich schon beim Zusehen ganz hibbelig.
Früher, als noch mehr Einheimische zu mir ins Haus kamen,
gab es einige Exemplare,
die sich ein ein Eck setzten und dann eine Stunde oder länger vor sich hinschwiegen.
Städterin bleibe ich in der Hinsicht für ewig.
Es muss das warme wohlig Menschelnde sein,
das Schweigende zusammenklebt.
----
Ich bin ja weder besonders freundlich, noch nett, noch hilfsbereit.
Zwei Bettlägrige teilen hier einen Fernseher.
Ich wunderte mich, warum meine Mitleidenden nicht fernschauten,
bis ich bemerkte, dass sie nicht wussten, wo der Ton in der Fernbedienung war.
Sind ja eher schlichte Gemüter.
Auch fein, so musste ich mich nicht über das Programm einigen.
Zum Wochenende waren wir nur mehr zu zweit im Zimmer
und ich dachte, naja, einmal will ich nett sein
und erklärte meiner Bettgenossin die Fernbedienung.
Ganz allein von mir aus,
nachdem sie zwei Wochen nur aufs flimmernde Nachbar-Kistl gestarrt hatte.
Und der Erfolg?
Sie ist dann zum Samstagabendprogramm mit besonders schrecklicher Volksmusik
im Bett auf- und abgehüpft. Selig, Und ich konnte mir das Gedudel anhören.
Weil sie mitgerissen von den Schnulzenklängen den Tonknopf voller Begeisterung immer lauter drehte.
Was ich immer sage:
"Nett sein lohnt sich nicht.
Die Nachteile folgen auf den Fuß."
Naja, amüsiert habe ich mich über ihre Freude auch.



Sonntag, 29. Januar 2017

GEGENSÄTZE


Im Schmerztempel liege ich auf der Gynäkologie und Geburtshilfe.
Das heißt hier sprießt neues Leben.
Hoffnungsvolle Jung-Muttis und -Väter sind am Gang zu sehen
und der Gegensatz von Anfang und Ende, von dem was beginnt und dem was beendet wird,
 ist sehr deutlich.
Ich glaube, ich kann jetzt beruhigt alt sein,
mit diesem Krebskind hat sich für mich etwas abgeschlossen.
Dahinter spüre ich eine neue Freiheit.
Eine Freiheit außerhalb von ....? irgendwas.
----
Meine Winterbilder sind aufgebraucht.
Ab morgen gibt es Krankenhausbilder.
Oder so.
Hab ich schon erzählt, dass das Essen jenseitig ist?
Ich vertrage vieles nicht.
Und Fertigsuppen töten mich auch im gesunden Zustand.
Glücklicherweise hat mein Bruder ein wenig Catering für mich gemacht.
Meine rasche Wiederherstellung habe ich mit literweise Tee aus getrockneten Heidelbeeren
beschleunigt.
Omnibiotic und reines Gelee Royal tun gut.
Alles fließt.



Samstag, 28. Januar 2017

VOM KREBS


Wirklich lange habe ich mich mit dem Thema nicht beschäftigt.
Zwischen Diagnose und OP war nicht sehr viel Zeit.
Und die Prognose ist gut.
Ich habe den Krebs nie als Feind gesehen,
mehr als dunkles Kind,
das in der Gebärmutter heranwächst.
Und wenn ich jetzt schreibe,
dass ich Liebe dafür hatte,
dann klingt das vielleicht seltsam.
Aber es war ein Teil von mir,
ein Seelenschatten.
Einiges was er mir erzählt hat,
habe ich verstanden,
manches möglicherweise übersehen.
Ja, Leben und Sterben sind Abenteuer.
----
Und Zufall?
Am ersten Tag im Spital war ein Rundmail (keine Ahnung, wie das zu mir kommt) im Posteingang -
meine Traumwohnung, die mir so gut gefällt, wird nach 10 Jahren wieder frei.
Hm. Ob ich das schaffe, mich auf 53 m2 abzuspecken?
Da müsste ich ganz schön viel Ballast abwerfen.
Hm.





Freitag, 27. Januar 2017

SCHMERZTEMPEL



Was soll ich euch aus dem Schmerztempel erzählen?
Supernett ist das Personal,
die Bettten sind bequem,
die Sonne scheint zum Fenster herein,
die Mitbewohner nerven nicht und ich muss auch nicht mit ihnen reden.
Könnte man ja auch als Ferienaufenthalt ansehen, 
wenn, ja, wenn nicht so viel Zwang dabei wäre.
Ich muss immer viel  diskutieren,
hach, und keiner kann über meine Scherze lachen,
dabei finde ich sie so komisch.
Mir fehlt es halt an sittlichem Ernst.
Dafür spiele ich die Paradepatientin -
kann alles besser, schneller.
Bin nervig, weil ich mir dauernd die Dauernadeln rausreisse,
den Schwestern irrtümlich klingle ....
Klar weiß ich auch vieles besser.
Möglicherweise sind die da heilfroh, wenn sie mich bald loswerden.



Donnerstag, 26. Januar 2017

JA; EH


Mann hat mich befreit,
von allem, was ich nimmer dringend brauche.
Ja, eh, es geht mir den Umständen entsprechend.
Ist auszuhalten.


Mittwoch, 25. Januar 2017

SCHMERZTEMPEL


Der Winter ist heuer besonders prächtig.
Ich war vor den Krankenhaustagen beim Moor.
Schönheit tanken.
Jetzt lungere ich im Schmerztempel herum.
So viel geschieht, was nur weh tut.
Was mir gefällt -
das Nichtnormale wird gewöhnlich.
OP's, Schmerzen, Krebs 
werden Alltag.
Sammelpunkt der Lebensbestrafung.
Hat sich jeder all das Leid verdient?
Und warum?
Unsere Medizin versucht nicht den Körpermenschen mit sanften Maßnahmen in Harmonie zu bringen,
sondern es wird gekämpft, geschnitten, zerstört, durch alle
Körperöffnungen untersucht,
bis der gequälte  Patient gesundet.
Oder nicht.
Nach 2 Tagen Voruntersuchungen, mit allen möglichen Giften vollgepumpt,
fühle ich mich schon kraftlos und nur mehr aufs Durchhalten fokusiert.
Macht nix,
Erfahrungen kann man sich nicht aussuchen.




Dienstag, 24. Januar 2017

WAS ICH ALLES BRAUCHE



Tablet,
Notebook,
viele Bücher,
externe Festplatte - jetzt ordne ich endlich meine Fotos
(mein Bruder, der Schatz, meinte zwar, das zahle sich jetzt auch nimmer aus, aber das ist wurscht,
unser Leben besteht sowieso aus Sinnlosigkeiten),
Fotoapparat,
alle Ladegeräte,
Wasserkocher,
Kaffee und Tee,
Kekse, Schokolade, Obst, Getränke...
(das örtliche kulinarische Angebot entspricht nicht meinen Anforderungen)
Waschzeug, Gwand ....
So ziehe ich ins Spital ein.
Die werden mich nicht lange mögen,
wenn sie denken, ich bleibe für die ganze restliche Wintersaison.